Kapelle  in  Dorthausen  „ zum hl. Josef  “
Die Kapelle steht, von Rheindahlen kommend Richtung Mönchengladbach, in Dorthausen die B 57 links
abbiegend Richtung Wolfsittard - Hehn, ca. 100 m von der B 57 auf der linken Straßenseite und trägt die Hausnummer 35.
Sie gehörte bis zur Umpfarrung der Kapellengemeinde ”St. Christophorus” Dorthausen im November 1990, zur
      Pfarre ”St. Helena” Rheindahlen.
Heute gehört die Kapellengemeinde zur Pfarre ”St. Mariä Heimsuchung” Hehn, somit auch die ”St. Josefskapelle”.
Katastermäßig wird sie geführt unter der Plannummer 28, Parzelle 240, Gemarkung Rheindahlen.
Das Grundstück war bis zum 18. September 1978 Privateigentum.
Im Wege eines Umlegungsverfahrens erwarb es dann die Stadt Mönchengladbach.
Seit dem 02. Juni 1987 ist sie in die Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach, unter Baudenkmal-Nr. 305/I Blatt 1 eingetragen.
Die Kapelle ist ganz aus Backstein ausgeführt und stammt aus dem Jahre 1895-96.
Der Bau ist weitgehend schmucklos, nur die Fassade zeigt neogotisches Formengut.
Seitlich sind zwei Türmchen herausgemauert; in der Mitte der Schauseite liegt der spitzbogige Eingang mit
darüber liegendem durch Deutsches Band abgesetztem- Giebel.
Das deutsche Band läuft bis zur Giebelspitze, die aufgekröpft ist und einem waagerechten Abschluss in Gestalt eines Sockels hat.
In das Giebelfeld ist eine spitzbogige Nische eingebracht; hier steht eine Statue des  ” Hl. Josef “ (neogotisch) mit Lilie.
Die Seiten des Kirchleins haben je zwei Rundbogenfenster mit Sohlbank; es schließt dreiseitig ab.
Das Dach ist Ziegel und Schiefer gedeckt und trägt einen einfachen Dachreiter mit Kreuz und Hahn; ein weiteres kleines Kreuz
befindet sich auf dem Firstende. (17)
In einem Schreiben vom 30. Juni 1896 bat der damalige Pfarrer Dr. Fink, aus Rheindahlen, des Erzbischöfliche Generalvikariat
in Köln, dem Wunsch der Bewohner aus Dorthausen nachzukommen und die Genehmigung zur Einsegnung des neu erstellten
Oratoriums zu erteilen.
In diesem verrichteten sie gemeinschaftlich ihr abendliches Rosenkranzgebet.
Die Ermächtigung zur Segnung des Oratoriums nach dem BENEDICIO des römischen Rituals erteilte das Erzbischöfliche
Generalvikariat am 01. August 1896.
Nach dem ersten Weltkriege 1914-1918 mehrte sich in vielen Kapellenbezirken der Wunsch, in den wiederhergestellten Kapellen
auch die hl. Messe feiern zu dürfen.
Oberpfarrer Johannes Augstein stellte am 11. Oktober 1921 einen Antrag an das Erzbischöfliche Generalvikariat in Köln und bat
um die Segnung der Kapellen im Bezirk seiner Pfarre “ St. Helena“ Rheindahlen.
Der damalige Erzbischof Kardinal Schulte erteilte hierfür die Ermächtigung am 13. und 21. Dezember 1921.
Oberpfarrer J. Augstein nahm dann am 19. März 1922 die Weihe der ”St. Josefskapelle” in Dorthausen zum
ORATORIA PUBLICA vor.
Jedoch durfte die hl. Messe nur einmal im Jahr, tunlichst am Patronatsfest gelesen werden.
Die Kapelle tat weiterhin ihren Dienst zur Verrichtung der gemeinschaftlichen Rosenkranzgebete und zur Durchführung der
Totengebete bei einem Sterbefall.
In anderen Ortschaften regte sich immer stärker der Wunsch, nicht nur am Feste des Kapellenpatrons, sondern jeden Sonntag im
Ort der hl. Messe beiwohnen zu können, so auch in Dorthausen.
Dieser Wunsch blieb jedoch bei allen unerfüllt.
Die Bewohner der Ortschaften Dorthausen, Sitterhof und Dahlener Heide hatten diesbezüglich die Möglichkeit, mehrere Jahre
den Gottesdienst in der Kapelle St. Barbara der damaligen Provinzial-Erziehungsanstalt zu besuchen.
Diese wurde ab 01. Oktober 1939 vom Fliegerhorst Mönchengladbach übernommen und die Kapelle aus militärischen Gründen
geschlossen.
In einer Überlieferung steht: Der bei Stalingrad frei in den Tod gegangene Studienassessor Dr. Heinrich Linssen, betreute während
des Krieges, den Gottesdienst und die Gemeinde der damaligen Fürsorge-Erziehungsanstalt Rheindahlen.
Der Besitz und die Anstalt wurde dann in dem ersten Kriegsjahr in einen Fliegerhorst umgewandelt.
Da nun im Dritten Reich in einer Kaserne kein Platz für eine Kirche freigegeben werden konnte, außerdem aber für Flieger
kein Bedürfnis für gottesdienstliche Betreuung vorlag, gelang es dem Herrn Dr. Linssen in langwierigen Verhandlungen, das
gesamte Inventar der Kapelle zum Preise von 7 000,-Reichsmark zu erwerben.
Nach seinen eigenen Aussagen sollte es einmal der Grundstock für die neue einzurichtende Notgemeinde ”St. Barbara” in
Dorthausen werden. (11)
Die Dorfgemeinschaften richteten daraufhin im Jahre 1940 in einer, von der Pfarre ”St. Helena” Rheindahlen angemieteten Raum,
eine Notkirche ein; es war die ehemalige Schlosserei der Familie Ebus.
Zwischen der Kapellengemeinde Dorthausen, vertreten durch den Vorsitzenden Herrn Rektor Wasser aus Holt und den
Eheleuten Peter Ebus aus Dorthausen wurde am 15. August 1941 ein Mietvertrag abgeschlossen und am 05. Juli 1943 durch
einen Zusatzvertrag erweitert.Dieser galt auf unbestimmte Zeit.
Er konnte erstmalig am 01. Oktober 1963 zum 31.Dezember 1963 gekündigt werden.
Im Laufe der Jahre gestalteten sie diesen Raum als würdiges Gotteshaus aus.
Vorübergehend übernahm der Geistliche Herr Kaplan Wasser aus der Pfarre ”St. Michael” Holt, mit Genehmigung des Bischofs
von Aachen, der bereits als Rektor im Provinzial-Erziehungsheim tätig war, die Betreuung der Kapellengemeinde.
Bald schlossen sich auch die Ortschaften Kothausen und Viehstraße dem Kirchenbesuch in Dorthausen an, bis die Seelsorge durch
einen Kaplan der Mutterpfarre ”St. Helena” übernommen wurde.
Die Notkirche war bald viel zu klein und musste um einige Meter verlängert werden.
Dennoch reichte der Raum bald wieder nicht aus, weil die Zahl der Einwohner beträchtlich zunahm.
Die Kirchenbesucher standen häufig außen, bis zu den damals noch vorhandenen Gleisen der Straßenbahn.
Die Zerstörung der Pfarrkirche ”St. Helena” in Rheindahlen am 25. Februar 1945 machte weitere Dezentralisierungen der
Gottesdienst notwendig.
Dieser Zustand währte dann bis zur Benutzung der neu errichteten Kirche ”St. Christophorus,” am 29. Juli 1962.
Die bis dahin bestandene ”NOTKIRCHE” konnte nun ihre Pforten schließen.
Seit dem Bestehen der Filialkirche ”St. Christophorus” als Kapellengemeinde und Wegfall der Notkirche, werden im Altarunterteil
des Holzaltares der ”St. Josefskapelle” die Schriftrollen mit den Namen der in beiden Weltkriegen 1914-18 sowie
1939-45 Gefallenen und Vermissten aufbewahrt. (Eine Namensliste ist im Anhang aufgeführt)
Die Rosenkranzgebete und Andachten, sowie die Totengebete im Sterbefall verlegte man seit dieser Zeit in die Kirche.
Durch die vorgenannten Veränderungen gab es eine gewisse Stillstandzeit für Überlegungen einer Kapellenrenovierung.
Der bauliche Zustand verschlechterte sich im Laufe der Jahre rapide.
Diese Feststellung veranlasste im März 1967 die Vorstände der Kirchengemeinde und des Heimatvereins eine Renovierung
anzupeilen.
Angebliche Äußerungen, die Kapelle abzureißen, waren schnell vom Tisch, denn das Ziel war es, diese zu erhalten.
Bis zur endgültigen Entscheidung, einen Beginn der Arbeiten zu veranlassen, vergingen noch ein paar Jahre.
Aufgrund der Initiative des Heimatvereines Dorthausen und in Verbindung mit dem Kirchbauverein der
Kapellengemeinde Dorthausen fanden sie einen fachmännischen Berater der seine Mithilfe anbot.
Es war der Architekt, Reiner Goebel.
In seinem Antrag an die Stadt Mönchengladbach, Abteilung Denkmalpflege, wies er darauf hin, dass zur Erhaltung
der ”St. Josefskapelle” dringend umfangreiche Reparaturarbeiten durchgeführt werden müssten.
Desweiteren bat er um eine finanzielle Unterstützung.
Dies geschah am 05. Juni 1974. Nun begannen die Kleinarbeiten.
Zunächst musste eine Auflistung über den Umfang der anfallenden Arbeiten erfolgen.
Die Bewohner stellten ihre Arbeitskraft zur Verfügung, um nach Möglichkeit viel Eigenleistung zu erbringen.
Die durchzuführenden Reparaturarbeiten waren folgende:
 
1.Mauerwerk.
Das Mauerwerk muss zur Sicherung überprüft, lose Fugen ausgeschlagen und anschließend beigefugt werden.
Das Fundament einen Schutzanstrich mit Bitumen erhalten.
2.Innenputz.
Durch anhaltende Feuchtigkeit müssen ca. 4,5 m² Putzflächen erneuert und ca. 14 m² schadhafte Putzflächen
beigearbeitet werden.
3.Dachstuhl.
Die Sparrenlage, hauptsächlich im Bereich der Abrundungen und das umlaufende Gesimsbrett müssen erneuert werden.
Im geraden Teil genügt die Auswechslung einiger Sparren.
Nach Offenlegung des Daches war es aber sinnvoll, sich für einen neuen Dachstuhl zu entscheiden.
4.Dacheindeckung.
Bei dieser Gelegenheit zog man eine neue Unterspannbahn (Deltafolie) auf und führte die neue sowieso
fällige Lattung durch.
Die anschließende Dachdeckung sollte durch einen Fachmann ausgeführt werden.
Die fehlenden Ziegel dürften von abbruchreifen Häusern in der näheren Umgebung noch zu beschaffen sein.
5.Zinkarbeiten.
Die Dachrinne, Abfallrohr, Traufeblech und Abdeckung des Dachreiters müssen erneuert werden.
6.Fußboden.
Der bestehende Fußboden, aus unansehnlichen Stampfasphaltplatten, wurde durch Feuchtigkeitseinfluss zerstört.
Das zunächst angestrebte Vorhaben, im städtischen Bauhof Basaltlavaplatten zu bekommen, zerschlug sich, weil schönere alte
Fliesen aus dem Alexianerkloster zur Verfügung gestellt werden konnten, was für ein dekoratives Aussehen weitaus geeigneter
erschien.
7.Imprägnierung.
Das gesamte Außenmauerwerk sollte zum Schutz gegen Witterungseinflüsse, hauptsächlich im Bereich der
Abdeckungen und Ziergesimse, mit einer Spezialimprägnierung, mit hohem Pigmentgehalt (Ziegelfarbe) behandelt werden.
8.Anstrich.
Der Innenraum durfte nur mit einer Kalk-Kreideschlämme gestrichen werden, um Materialspannungen zu vermeiden.
Alle Metall- und Stahlteile (Dachreiter, Kreuzblume, Hahn, Tür-, Fenster- und Nischengitter) werden mit mattschwarzer
Ölfarbe behandelt.
9.Verglasung.Die vorhandene stark beschädigte Bleiverglasung in den Fenstern sollte ursprünglich in eine ganzflächige
Verglasung aus gehämmertem Gussglas (Porzen Struktur) ausgeführt werden.
Ein 83 jähriger Bewohner unternahm sich die Aufgabe, die Bleiverglasung zu reparieren.
Hieran lässt sich erkennen, mit welchem Ehrgeiz die Renovierung betrieben wurde.
10.Gestaltung des Umfeldes.
Dem städtischen Tiefbauamt empfahl man im Zuge der Straßenverlegung die Vorplatzgestaltung einschließlich
Beleuchtung und Bepflanzung entsprechend zu berücksichtigen.
Die Überwachung und Organisation der vorgenannten Arbeiten übernahm kostenlos in dankenswerter Weise der
Architekt Reiner Goebel, in Verbindung mit dem Heimat- und Kirchbauverein.
Die Stadt Mönchengladbach teilte dem Antragsteller am 05. November 1974 mit, dass sie für die Renovierung der
Kapelle eine finanzielle Hilfe leistet.
Das die vorgenannten Arbeiten für die Instandsetzung einige Monate in Anspruch nehmen würden, lässt sich unschwer ersehen.
Schon sehr schnell stand fest, dass nur noch die Grundmauern zu gebrauchen waren.
Viele zusätzliche Arbeiten fielen an die sich erst im nachhinein feststellen ließen.
Mit über 500 Stunden an Eigenleistung schafften es die Dorthausener Bürger ”Ihre St. Josefskapelle” wieder zu einem SCHMUCKSTÜCK zu gestalten.
Was hier in ein paar Zeilen geschildert wird, erforderte von den Beteiligten eine ganze Menge am Beharrlichkeit und Stehvermögen.
Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang der Einsatz der Berufsfeuerwehr mit ihrem Kranwagen und der
Mithilfe einiger Männer der Freiwilligen Feuerwehr Kothausen.
Sie schafften nämlich in kurzer Zeit das neu reparierte Glockentürmchen auf das Dach der Kapelle zu hieven.
Der neue Altar war eine Stiftung eines Dorthausener Bürgers.
Die schon einmal angesprochenen Schriftrollen fanden nun sichtbar ihre Aufstellung in der Kapelle.
So konnte im September 1976 in einer kleinen Feierstunde, verbunden mit einem Umtrunk die ”St. Josefskapelle” der Öffentlichkeit wieder übergeben werden.
An der Feier nahmen die Eigenleistungserbringer, die Vorstände der St. Christophorusgemeinde und des Heimatvereines, sowie
geladene Gäste der Stadt Mönchengladbach teil.
Den Schlüssel erhielt der Vorstand der Kapellengemeinde, den Altarstein die Pfarre ”St. Helena” Rheindahlen.
Ab jetzt ist die Kapelle eine Gedächtniskapelle und wird nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt.
Dank gebührt allen, die mit Hand anlegten oder mit ihren Spenden irgendwelcher Art, das schöne Werk gelingen ließen.
Die Stadt Mönchengladbach ist für die großzügige Unterstützung mit einbezogen.
Bis zum 01. Juni 1983 betreuten die Seelsorger der Pfarre St. Helena Rheindahlen die
Filialgemeinde ”St Christophorus” Dorthausen.
Nach einem Beschluss des Dekanatsrates, die bischöfliche Behörde hat die letzte Entscheidung dem Dekanatsrat überlassen, betreuen
nun die Seelsorger der Pfarre ”St. Mariä” Heimsuchung Hehn die Filialgemeinde Dorthausen.
Diesem Beschluss waren Gespräche im Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat von St. Helena in Rheindahlen
vorausgegangen, ausschlaggebend war das Gespräch mit dem Kapellenvorstand von Dorthausen.
Auch die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte von Hehn und Günhoven hatten zu diesem Kooperationsmodell ihre Zustimmung
gegeben. Ein neuer Pfarrgrenzverlauf trat im November 1990 in Kraft.
Davon ist die ”St. Josefskapelle” ebenfalls betroffen. Im Jahre 1987 traten an der Kapelle erneut Schäden auf, die
von Dorthausener Bürgern in Eigenleistung beseitigt werden konnten.
Mit einem neuen Innenanstrich schloss diese Aktion ab.
Anlässlich einer Bürgerversammlung, im November 1987 besprach man in Dorthausener Hof die Angelegenheit, wie
früher die Rosenkranzgebete und die Gebete für die Verstorbenen, ebenso die Patronatsmesse in der Kapelle vorzunehmen.
Diese Vorschläge fanden leider keine Befürwortung.
Den Pflegedienst versieht seit vielen Jahren selbstverständlich und ehrenamtlich Herr Schüller und seine Frau.
Ihnen gebührt dafür ein herzlicher Dank.
Es wäre zu wünschen, dass in unserer gebetsarm gewordenen, materialistisch eingestellten Wohlstandgesellschaft genügend
zupackende Hände und spendenwillige Menschen verbleiben, die, wie bisher alles Kulturgut und Erbe pflegen und erhalten.
Solche Anregungen könnten einmal in den Vorständen weltlich und kirchlich orientierter Gemeinschaften überdacht werden.
Patenschaften zur Pflege von Sitten und Gebräuchen wären bei der Vielzahl noch bestehender Kulturdenkmäler unter
Umständen sehr hilfreich.
Eine Koordinierung führte zu keiner Überbelastung einzelner Gruppen.
 
          Paul Hilgers, Heimatforscher
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Als Anmerkung, möchte ich noch hinzufügen, das im Jahre 2004 die Kapelle unter Leitung von Johannes Windheuser und unter
Mithilfe einiger Mitbürger und der St.Christophorus Schützenbruderschaft 1986 erneut gründlich renoviert wurde.
 
 Ralf Storms
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Der Feldgeistliche, Dr. Linssen, blieb in Russland   (Das Schicksal eines niederrheinischen Priesters in Russland)
Erschüttert und doch erhoben musste ich in der Kirchenzeitung für das Bistum Aachen den ergreifenden Bericht über einen Helden des Opfers
lesen und die längst befürchtete Vollendung unseres Dr. Heinrich Linssen bestätigt finden.
Krefeld verlor in ihm einen seiner besten, zu weiteren schönen Hoffnungen und Erfolgen berufene Söhne und ich selbst einen hoch
geachteten Freund, dessen reiches Wissen, ruhig sachliches Urteil und verständigungsbereite Duldsamkeit anzog.
Unsere Heimat verdankt ihm in den Jahrgängen 12 bis 20 mehr als 25 ihrer besten Beiträge vor allem zur niederrheinischen Kirchen - Kultur -
und Kunstgeschichte, zur Heimatkunde Krefeld und M.-Gladbachs.
Sein Heimatbüchlein über die Niers von der Quelle bis zur Mündung, war in starker Auflage in wenigen Tagen vergriffen.
Bei seinen regelmäßigen Besuchen im Krefelder Stadtmuseum entwickelte er, sich und seiner Heimat in tiefster Seele treu, mir
zahlreiche neue literatische Pläne, die nun nicht mehr ausgeführt werden können, da der unbarmherzige Krieg ihn als
Wehrmachtspfarrer in die Hölle von Stalingrad riss.
Als geborener Krefelder bestand er am Krefelder Gymnasium nach bewährter Führung durch Professor Oxe mit Auszeichnung die
Reifeprüfung, studierte in Bonn katholische Theologie, wurde vorübergehend Kaplan in Krefeld Oppum und blieb
Religionslehrer in M.-Gladbach und geistlicher Führer der Norddeutschen Gruppe „St. Norbert” in Rheydt.
Sollte Dr. Linssen als duldsamer Diener seiner Kirche und vorurteilsfreier Forscher Anfeindungen erfahren haben, so hat er auch als
Christ und Priester gewiss herrlichste Versöhnung erreicht, und zwar durch das bewusste Opfer des eigenen Lebens für seine Brüder in Russland.
Schneestürme brausten über das deutsche Rollfeld vor Stalingrad.
Schon rissen in der Nähe Granaten der herandrängenden Feinde den weißen Erdboden auf.
Kranke und verwundete deutsche Soldaten warteten fiebernd unter dem tröstenden Zuspruch ihres Feldgeistlichen Dr. Linssen auf das
angekündigte Transportflugzeug, das sie nach Westen zur Heimat tragen sollte.
Vergessen schien alles Leid, als der rettende Riesenvogel landete.
Wirklich gelang es noch sie mit gegenseitiger kameradschaftlicher Hilfe, die heranhumpelnden und getragene Männer sämtlich im
überlasteten Flugzeug unterzubringen und nach erfüllter Pflicht bestieg Linssen als letzter die Leiter.
Schon wollte er die Tür des Rumpfes schließen, da wankte mit letzter Kraft noch ein Schwerverwundeter heran
und  „Vater von fünf Kindern, ausgebombt daheim”, schrie er flehend um Rettung.
Der Priester hatte schon die in wenigen Stunden erreichbare rheinische Heimat vor der Seele stehen, und allzu nahe hämmerten
bereits die Maschinengewehre eines unbarmherzigen Feindes. Der Kamerad konnte ja noch gerettet, durfte nicht enttäuscht werden.
Mit einem entschlossenen Blick zum Himmel entschied sich Dr. Linssen in diesem schweren Konflikt der Pflichten, er stieg aus.
Während dann das Geräusch der Motoren verebbte, stand der Verlorene einsam da, er wusste, was ihm drohte.
Und in einem russischen Gefangenenlager musste er sterben.
Aber auch nach seinem Tod bleibt er unser.
Was Goethe seinem jüngeren Freunde Schiller nachrief, dürfen wir mit Recht und dankerfüllten auch unserem
Dr. Heinrich Linssen nachrühmen: „Und hinter ihm in wesenlosem Scheine lag, was uns alle bändigt, das Gemeine ”.
                                                                                                                                                    
Professor Dr. Rembert