Der große Zapfenstreich
 
Erklärungen:
Als "Zapfenstreich" bezeichnete man ursprünglich den Zeitpunkt, zu dem
auf ein Trommel- und Hornsignal im Feldlager Ruhe zu herrschen hatte und 
die "Zapfen" an den Bierfässern der Marketender zu "streichen" waren, das
heißt, der Ausschank eingestellt wurde. 
Später galt der "Zapfenstreich" allgemein als der Zeitpunkt, zu dem
alle nicht beurlaubten Soldaten in ihrer Unterkunft zu sein hatten.
Der "Große Zapfenstreich" ist eine militärmusikalische Zeremonie, die
nur zu besonderen Anlässen ausgeführt wird, wobei im allgemeinen ein Musikkorps 
sowie eine Kompanie Infanterie und Fackelträger mitwirken.
Der Ursprung des "Großen Zapfenstreiches" wird durch W. Wieprecht in Preußen begründet. 
Die erste Aufführung fand 1838 statt. 
Der "Große Zapfenstreich" besteht aus einer vorangehenden Serenade, die Werke großer Meister und
besondere Lieblingsmelodien des mit dem Zapfenstreich zu Ehrenden enthält. 
Die dann folgenden Bestandteile des eigentlichen "Zapfenstreiches" bauen sich wie folgt auf:
Locken - Zapfenstreichmarsch - Harmonischer Zapfenstreich der Reiterei (die "3 Posten") - Zeichen zum Gebet -
Gebet (" Ich bete an die Macht der Liebe " ) - Abschlagen nach dem Gebet - Ruf nach dem Gebet  - Nationalhymne
 
Zu Ehren der Lebenden und Verstorbenen sowie der gefallenen und vermissten der Weltkriege aus dem Heimatbezirk
wird der "Große Zapfenstreich" traditionell am Samstag der Dorthausener Kirmes nach der Gefallenenehrung auf dem
Platz vor der St. Josefs Kapelle in Dorthausen gespielt.
Das Musikkorps zum "Großen Zapfenstreich" bildeten zumeist das Bundesschützentambourcorps "Gut Klang " Hardt und
die Hardter Blasmusik 
 
Hier einige Daten in chronologischer Reihenfolge die mir freundlicherweise von
Wolfgang Lingen ( Hardter Blasmusik) zur Verfügung gestellt wurden. 
 
1596    Erstmaliges Nennen eines Abendsignals in Verbindung mit dem Zapfenschlag

 

1636    Verfügung des Großen Kurfürsten zu Schankverbot und Zapfenstreich für Soldaten und Bürger
            gleichermaßen gültig
 
1714    Erstmalige Erwähnung des Lockens
            Ab Mitte des 18.Jahrhunderts ist der Terminus "Großer Zapfenstreich" nachweisbar
 
1788    Erwähnen des Lockens auf den Wällen eine halbe Stunde vor Zapfenstreich
 
1813    Verordnung zur Einführung des Gebets in Preußen
 
1838    Aufführung des "Russischen Zapfenstreiches" anlässlich des Zarenbesuches in Berlin durch Wilhelm Wieprecht. 
            Grundkonzeption zum Großen Zapfenstreich wird damit festgelegt.
 
1840    Wieprechts Zapfenstreich erscheint im Druck (Schlesinger)
 
1843    Zapfenstreich des X. Bundes-Armee-Korps in Lüneburg mit 783 Musikern und 300 Tambouren.
            Um ein gemeinsames Spiel zu ermöglichen, muss Wieprecht den Zapfenstreich 17mal für Infanterie und 7mal für
            Kavalleriemusik bearbeiten.
 
1847    Exerzierreglement für die Infanterie nimmt Zapfenstreich-Teile für Trommler und Pfeifer auf.
 
1850    sind als Gebete im Großen Zapfenstreich nachweisbar:
            Wir treten zum Beten (Valerius) 
            Nun danket alle Gott ( Crüger )
            Lobe den Herren (unbekannter Komp.)
            Die Himmel rühmen des ewigen Ehre (Beethoven) 
            Ich bete an die Macht der Liebe (Bortnjanskij)
 
1918    Abfolge des Großen Zapfenstreichs mit und ohne Hymne sowie mit verschiedenen  Gebeten.( nicht festgelegt )
 
1922    Deutschlandlied (Nationalhymne) wird zum integralen Teil des Großen Zapfenstreiches bestimmt. 
            Heeresmusikinspizient Oskar Hackenberger verfügt "Ich bete an die Macht der Liebe" zum alleinigen Gebet im Großen Zapfenstreich. 
            Für Bayern bleibt "Bayerisches Militärgebet" erhalte
 
1940   Großer Zapfenstreich bleibt ausschließlich der Wehrmacht und der SS-Verfügungstruppe vorbehalten.
 
1944   Heinrich Himmler verfügt als Oberbefehlshaber des Ersatzheeres Beethovens
           "Die Himmel rühmen des ewigen Ehre" zum Gebet im Großen Zapfenstreich.9.11.1944    
           Erste Aufführung des Großen Zapfenstreiches mit neuem Gebet in Breslau
 
1962   Der Generalinspizient der Bundeswehr verfügt:
           "Ich bete an die Macht der Liebe" bleibt als Gebet im Großen Zapfenstreich erhalten.
           Für Bayern unverändert :"Bayerisches Militärgebet"
 
1983   Durchführung des Großen Zapfenstreiches wird für die Bundeswehr in der ZDv 10/8 verbindlich festgelegt.
 
Aufbau: 
Aufmarsch des Musikkorps und des Schützenzuges
( Musik spielt Zapfenstreich ! )
Locken
Zapfenstreichmarsch
Harmonischer Zapfenstreich der Reiterei
(die "3 Posten")
Zeichen zum Gebet ( Helm ab zum Gebet ! )
Gebet ("Ich bete an die Macht der Liebe")
Abschlagen nach dem Gebet( Helm auf ! )
Ruf nach dem Gebet
(dem "Amen" in der Liturgie entsprechend)
( Zur Nationalhymne präsentiert das Gewehr ! )
Nationalhymne
Abmarsch des Musikkorps